Patriarchat – längst tot ! Jetzt haben wir ein…… ja was denn ?

Gestern bei “Herr der Ringe” mit meinem Sohn:
Gandalf treibt dem siechen König von Rohan den Zauber aus, mit dem ein schleimiger Ratgeber sein Bewusstsein verschleiert.

Solch ein Schleier liegt vielfach über Führung: Wie ein Zombie schleicht ein scheintotes Patriarchat umher und schafft ein ganz besonderes Betriebsklima:

Nicht mehr lautstark und kantig, irgendwie rundlich und weich, leicht süsslich, aber nicht wirklich angenehm vom Geruch.

Laute Stimme, rote Nase und “Chef” auf der Visitenkarte: Längst Geschichte. An seiner Stelle treffen wir wohlriechende Bürokraten in Nadelstreifen und perfektem Kostüm.

Sie huschen flink um jene Ecken, die sie selbst nicht haben.
Sie vermeiden offene Konflikte.
Sie passen immer perfekt, vor jeden Hintergrund.
Sie haben eine besondere Aura – nichts an Ihnen ist normativ.
Wofür sie einstehen, ist kaum zu ergründen. Und gerade das macht Ihre Autorität aus.

Sie vermeiden prägnante Entscheidungen.
Sie hören empathisch zu und können Design Thinking.
Noch vor dem Konferenzraum, unter 4 Augen, fallen Sie dem Beschluss, den sie öffentlich mitgetragen haben, elegant in den Rücken.

Für diese „Abkehr vom Patriarchat” gibt es verschiedene Euphemismen:
“Kollaborativer Führungsstil”, “transformativer Führungsstil” oder “XYZ – Führungsstil”.

Doch dieser Stil fühlt sich an, wie eine stattlich gewordene Hauskatze – auf den ersten Blick weich und putzig, doch man kriegt ihn nicht zu greifen und wenn doch – Zack, die Kralle !

Wo es um Entscheide geht:
Rum-Eiern. Keiner will schliesslich ein normativer Patriarch sein, keiner auffallend vor den Hintergrund treten.
Wo es um menschlichen Umgang geht:
Verstecken hinter Compliance und Prozessregeln. Zur Not intrigieren.

Fühlt sich das „Post-Patriarchat“ besser an, weil für das Normative plötzlich kein Mensch mehr steht, sondern eine Compliance-Regel, ein Prozess?
Wenn Mitarbeiter nicht mehr machen müssen, weil “der Chef es will” (ohne weitere Begründung), sondern “weil es im Organigramm, im Plan, im Prozess steht” (ohne weitere Begründung )?

Hallo Führungskräfte, hallo Leader ?!

Es gibt grossartige Menschen mit Führungsqualität da draussen.
Selbst viele der als Karikatur beschriebenen Bürokraten haben diese andere, besondere Qualität.

Es braucht nur wenig Überwindung, die falsche Folkore im Umgang mit dem Post-Patriarchat abzulegen.

  • Seien Sie leidenschaftlich, das ist gesund!
  • Stehen Sie gegenüber Mitarbeitern PERSÖNLICH ein für Weisungen und Vorgaben!
    • Und wenn es solche sind, die Sie nicht tragen wollen, beziehen Sie offen Position!
    • Wenn das nie wirkt: Denken Sie drüber nach, warum Sie dort Ihre Zeit verschwenden, wenn Sie woanders die Welt verändern können!
    • Für Sie als Leader gilt: Nichts kommt von “da oben”- aus Sicht der Mitarbeiter sind SIE “da oben”
  • Sagen Sie Ihre Meinung, respektvoll, fair und besonders, wenn es schwer fällt!
  • Seien Sie offen mit Persönlichem anstelle von langem Palaver!
  • Adressieren Sie das Tabu – jene Konflikte, die jeder kennt, an die sich keiner wagt!

Das ist Leadership: Verwalten Sie nicht Regelwerke, helfen Sie, die wahren Hindernisse aufzuspüren und zu beseitigen.

Man erkennt Sie daran, dass sie nicht auf Papier stehen und dass ihre Beseitigung ganz persönlich Überwindung kostet. Themen, die Sie am liebsten unbedingt vermeiden wollen, sind ein guter Indikator für den wahren Knackpunkt.

Machen Sie die Welt zu einer Ensprechung Ihrer selbst und werden Sie nicht zu einem Abziehbild beruflicher Folklore.

Und grüssen Sie Gandalf, wenn er vorbeikommt !

1 KOMMENTAR

  1. Glückwunsch! Sog. „Leader“ spielen heute keine Rolle.Es braucht Unternehmer. Die müssen überzeugen – und können sich irren. Das “ Spielfeld“ ist „kognitive computing“, z.B, IBM- Warson, IoT (industrie 4.0), Big Data, Snsorik,, um nur eiinige zu nennen.

    Ich wünsche Ihrem Anatz viel Erfolg!

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