Wer trumpelt durch´s Büro ? – Donald´s Führungslehre

Da ist Donald ! – und zwar überall: Der geborene Aufhänger, die perfekte Reibungsfläche. Also muss ein Zusammenhang her zwischen Trump und Unternehmensführung.

Sie kennen sicher die Schlagzeile: „The biggest FUCK YOU ever“ – President Trump als der Fleisch und Bräunungscreme gewordene Stinkefinger an das Establishment. Breite Wählerschichten wenden der Inszenierung von Politik den Rücken zu. Die politische Elite, auf die eigene Folklore fokussiert und mit sich selbst beschäftigt, verschläft diesen Prozess.

Hat das ernsthaft was mit UNS zu tun? Mit Ihnen und mit mir?

Diesseits des grossen Teichs und jenseits der grossen Politik blicken wir auf die Bühne eines deutschen Grosskonzerns. Nicht ums Weiße Haus geht es da, doch der Hahnen- und Hennenkampf um den frei werdenden Vorstandsposten hält dem zweifelhaften Unterhaltungswert von Hilly und Donny durchaus Stand. Ganze Unternehmensbereiche fallen in pure Lethargie. Führungskader beobachten die bekannte Folklore mit Schulterzucken und Ironie, auf ein Zeichen gegen solches Verhalten aus Vorstand und Aufsichtsrat wartet man vergeblich.

Spüren Sie was?


Da ist sie, die selbstreferenzierte Elite, die ignoriert, wie die Basis einer authentischen und respektvollen Vertrauensbeziehung zu „Führung“ erodiert –
Possenspiele als persönliche Vorbildfunktion, vorgeführt von Personen, die andauernd eloquent über Kommunikationskultur und moderne Führung sprechen.

Und selbst, wenn es gar nicht um Führung geht, sondern um die digitale Vision von Unternehmen und Produkt, wird dieses Denken spürbar: Ich weiss nicht recht, wie intransparenter Umgang mit Daten, social media bots und menschenfreie Fabrik, verständlich und offen formuliert, Kunden und Mitarbeiter begeistern sollen.

Könnte womöglich das Gegenteil der Fall sein? Eine Abneigung, die sich dort entwickelt, wo wir, mit uns selbst beschäftigt, gar nicht hinsehen wollen?

Bauplan für die gedankliche Wagenburg


Das „Digitale Establishment“ wähnt sich in einer Wagenburg um das geliebte Gedankengut, doch alle Knarren zeigen in die gleiche Richtung. Niemand schaut nach hinten, da liegen „Themata non grata“, das Nicht-Naheliegende, Nicht-Erwünschte oder Nicht-Angenehme, kurz das Unaussprechliche. Brexit und Trump liefern beredtes Zeugnis über die Verblüffung, wenn dann ausgerechnet von dort geschossen wird.

Tabu und Angst, die offene oder versteckte Definition des „Unaussprechlichen“ ist überall: Kritik an der Flüchtlingspolitik? – Nur ein rechtslastiger Dummkopf würde das wagen! Kompliment für die Kollegin? – Vorsicht Sexismus! Gutmenschentum darf nicht pauschal den Korridor der Diskussion einengen: Guter Demokrat ist nur, wer gerade für die Redefreiheit jener einsteht, deren Meinung ihm unangenehm ist.

Wie sieht das im Unternehmen aus? Vorstand A will Job von Vorstand B. Jeder weiss das. Keiner darf es sagen. Plattform X, mit grossem Tamtam gefeiert, ist heute das Kernproblem für Projekt Y. Bekannt, aber nicht ausgesprochen. Die vom Board favorisierte Entscheidung ist technisch falsch. Noch könnte sie verhindert werden. Keiner wagt es.

Das vielleicht ganz andere „Next Big Thing“….


Sie mögen einwenden: „Das ist menschlich, alles Andere setzt einen persönlichen Reifegrad voraus, der im Unternehmen nicht erreicht werden kann“.

Aber mal ehrlich: Ich hinterfrage doch auch nicht den Sinn fachlicher Qualitätsentwicklung für Führungskräfte im Unternehmen. Die Arbeit an deren persönlicher Reife selbstverständlich werden zu lassen, ist nach meinem Dafürhalten das wahre „Next Big Thing“, ohne das alles Potential der digitalen Transformation im Unternehmen wenig wert hat. Das glauben Sie nicht? Erinnern Sie sich an die optimistische Vision einer digital emanzipierten und fairen Informationsgesellschaft?  Dann vergleichen Sie das mal mit den tagesaktuellen Ergebnistypen Ihrer bisherigen Umsetzung. Das verschafft mir wenigstens einen Punktsieg.

Persönlichkeit als Teil der Beziehung zum Unternehmen zu verstehen und mit dem Mitarbeiter gemeinsam zu entwickeln: Damit tut das Unternehmen sich selbst und der Gesellschaft gut. Kennen Sie das Zitat „Beziehungen sind nie gescheitert, sie sind „Persönlichkeitsentwicklungsmaschinen“? – ich finde, das gilt auch für die Beziehung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen.

Lassen Sie uns also mehr tun, deutlich mehr, um für agile und authentische, zugleich aber schlagkräftige und gut in Gesell-, Kunden- und Mitarbeiterschaft verankerte Führung zu sorgen. Vieles an der heute geförderten Führungsfolklore ist unattraktiv für junge Menschen, monothematisch und schlicht zu langsam.

Ein paar Anregungen, wie Sie persönlich beitragen und mit dem Thema umgehen können:

  • Ein Unternehmen ist kein Zen-Kloster: Wer der Arbeit an “nichtfunktionalen” emotionalen und versteckten Themen gesteuert und regelmäßig Raum gibt, muss zugleich darauf achten, dies sauber von den faktischen operativen Abläufen zu trennen.
    • Ihr Ziel ist, Tabus zu kanalisieren und zu lösen, nicht, sie zum Dauerthema jeder Sitzung werden zu lassen.
    • Lassen Sie sich nicht auf „Ringelpietz“ ein – es wird Konflikte und Widerstand geben.
    • Stecken Sie das zuerst das Commitment aller Beteiligten für den Raum ab, den eine solche Diskussion einnehmen darf. Sonst überfordern Sie Ihre Mitarbeiter.
  • Finden Sie Wege, die „leisen“ Mitarbeiter und Teammitglieder und die „unaussprechbaren“ emotionalen Themen offenzulegen und abzuholen.
    • Sie finden dafür heute gute Methoden. Ich persönlich habe viel durch die 4 Phasen von Lego Serious Play gelernt, in denen jeder einen geschützten Raum hat, in dem er ungestört über sein „Modell“ sprechen kann und auch muss.
    • Im „Story Room“ der Forte Advisors nutzen wir eine Ikonensprache, die es erlaubt, Lösungen und Probleme emotional und anonym zu bewerten.
  • Regen Sie an, immer mindestens eine Meinung zu einer anstehenden Entscheidung auf den Tisch zu bringen, die im Kontrast zu dem steht, was „gerne gehört“ wird oder ihrer eigenen Überzeugung entspricht.
    • Das fördert auch das Vertrauen im Team, dass kontroverse Meinungen ausgedrückt werden dürfen und geschätzt werden.
    • Verhindern Sie intellektuelle Wagenburgen. Fördern sie durch die Besetzung von Rollen und Gremien den Blick in alle Richtungen – das ist Diversity!
  • Hinterfragen sie das „Ideal“ einer autonom funktionierenden Organisation auf Basis ausreichend breiter Versorgung mit Informationen. Geben Sie den Mitarbeiter lieber eine Orientierung: Nichts ist so effizient, wie Ihr Vorbild.

Und – Betrachten Sie Donald unter folgendem Aspekt:
Menschen reagieren stark auf das Gefühl, jemand handle unauthentisch. Brexit und Donald zeigen auf bittere Art eines: Selbst unwirsches und unverhohlen aggressives oder schädliches Verhalten, wenn authentisch vertreten, ist den Menschen am Ende dieser Entwicklung “lieber” als Unauthentisches.